Am falschen Ende gespart - wir streiken am 19.10. ab 13 Uhr!

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Apothekenstreik
Bundesregierung und Bundestag wollen den Apotheken das Honorar noch weiter kürzen. Doch was zu viel ist, ist zu viel! Das Apothekenhonorar ist trotz steigender Kosten seit fast zehn Jahren eingefroren. Jetzt explodieren auch noch die Energiepreise und die Inflation galoppiert. Ausgerechnet in dieser Situation will die Politik den Apotheken weitere Belastungen zumuten. Das ist nicht hinnehmbar und geht auch zulasten der Patientinnen und Patienten. Im Jahr 2000 gab es in Hamburg 462 Apotheken vor Ort. Heute, Mitte 2022, sind es nur noch 375. Neunzehn Prozent der Betriebe mussten in nur zwei Jahrzehnten schließen. Weitere Honorarkürzungen werden viele Apotheken in Schwierigkeiten bringen und den Rückgang beschleunigen. Die wohnortnahe und hochwertige Arzneimittelversorgung besonders in Stadtteilen mit schwierigen Sozialstrukturen und geringer Kaufkraft ist gefährdet. Wer hier kürzt, spart am falschen Ende. Apotheken streiken heute, um Sie zu informieren und damit die Politik ihre Richtung überdenkt. Mit diesem zeitlich befristeten, symbolischen Streik am Vortag der Verabschiedung des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes protestieren die Apotheken dagegen, dass die Belastungsgrenze für die Apotheken noch weiter überschritten wird. Die Politik hat mit den vorgezeichneten Kürzungen einen völlig falschen Weg eingeschlagen. Er gefährdet die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung und ist ein Schlag ins Gesicht engagierter Apothekerinnen und Apotheker. Apotheken brauchen Entlastung, nicht weitere Belastung, um auch in Zukunft für die Patientinnen und Patienten vor Ort da sein zu können. Die Schwerpunktaktion findet gezielt in drei Regionen Südwest-, Ost- und Norddeutschlands statt, die bereits jetzt stark vom Verlust sozialer Infrastruktur betroffen sind und von weiteren Schließungen bei Gesundheitseinrichtungen umso mehr verschont bleiben müssen.
Die Apothekerschaft will das Signal in Richtung Bundesregierung und Bundestag aussenden, dass auch über das GKV-FinStG hinaus ein Politikwechsel notwendig ist. Der Berufsstand ist bereit, für diesen Politikwechsel zu kämpfen.
Das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz verschärft zusätzlich die sich bereits jetzt verschlechternden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Apotheken:
Die Apotheken werden jetzt und in nächster Zukunft durch die (in der Sache gerechtfertigten und notwendigen) Tarifabschlüsse, durch steigende Lohnnebenkosten sowie die Lasten der Inflation und die Energiepreisexplosion mit massiven zusätzlichen Ausgaben konfrontiert, ohne dass eine Anpassung ihrer Vergütung oder zumindest temporäre Entlastungsmaßnahmen, wie sie für andere Einrichtungen oder Unternehmen diskutiert werden, absehbar sind. Die Apothekenteams haben sich in den beiden zurückliegenden Jahren für die Erfüllung pandemiebedingter Sonderaufgaben verausgabt, und die Betriebe leiden an Personalnot. Die psychosoziale und zeitliche Belastung der Apothekenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter nimmt auch durch die zahllosen Lieferengpässe, die gemanagt werden müssen, weiter zu. Die Grenzen der Zumutbarkeit sind überschritten. Die Politik ist gefordert, einen spürbaren Beitrag zu leisten, dass Apotheken in Zukunft attraktive Arbeitsorte sein können und der Trend zu immer mehr Betriebsschließungen umgekehrt wird.